Wenn Payroll nicht stabil läuft, betrifft es das ganze Unternehmen
Payroll ist einer der HR-Prozesse, die im Alltag oft unsichtbar bleiben – solange alles funktioniert. Erst wenn Abrechnungen fehlerhaft sind, Zahlungen verspätet erfolgen oder sich Rückfragen häufen, wird deutlich, wie viele Bereiche von einer verlässlichen Entgeltabrechnung abhängen.
Für Mitarbeitende geht es um weit mehr als eine korrekte Zahl auf dem Konto. Eine fehlerhafte Abrechnung schafft Unsicherheit und belastet das Vertrauen in den Arbeitgeber. Für HR und Payroll entstehen kurzfristige Korrekturen, Rückfragen und zusätzlicher Abstimmungsaufwand. Finance benötigt verlässliche Buchungsdaten, während Führungskräfte auf korrekte Informationen zu Arbeitszeiten, Zuschlägen oder variabler Vergütung angewiesen sind.
In vielen Unternehmen liegt die eigentliche Herausforderung dabei nicht allein in der Berechnung von Löhnen und Gehältern. Sie entsteht dort, wo Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenkommen: Personalstammdaten aus dem HR-System, Arbeitszeiten aus der Zeitwirtschaft, Abwesenheiten, variable Vergütungsbestandteile, Benefits oder Änderungen bei Beschäftigungsverhältnissen. Werden diese Informationen manuell übertragen, in mehreren Dateien gepflegt oder erst kurz vor dem Abrechnungslauf geprüft, steigt die Fehleranfälligkeit deutlich.
Payroll-Systeme sollen dabei helfen, Prozesse zu standardisieren, Datenflüsse zu automatisieren und die Abrechnung nachhaltig abzusichern. Entscheidend ist jedoch nicht nur, welche Software eingesetzt wird. Ebenso wichtig ist, wie Payroll organisatorisch aufgestellt ist, welche Systeme miteinander verbunden sind und wer für Daten, Freigaben und Sonderfälle verantwortlich ist.
Was ein Payroll-System leistet – und was nicht
Ein Payroll-System unterstützt Unternehmen dabei, Löhne und Gehälter korrekt, fristgerecht und nachvollziehbar abzurechnen. Je nach Lösung reicht der Funktionsumfang von der eigentlichen Berechnung über Meldungen und Auswertungen bis hin zur Bereitstellung digitaler Abrechnungen und Schnittstellen zu angrenzenden Systemen.
Typische Aufgaben eines Payroll-Systems sind unter anderem:
- die Verarbeitung abrechnungsrelevanter Personal- und Zeitdaten
- die Berechnung von Vergütung, Abzügen und Zuschlägen
- die Unterstützung gesetzlicher Melde- und Dokumentationspflichten
- die Übergabe von Daten an Finanzbuchhaltung und Controlling
- die Bereitstellung von Abrechnungen und Auswertungen sowie
- die Anbindung an Zeitwirtschaft, HR-Systeme oder digitale Personalakten
Trotzdem ist ein Payroll-System nicht automatisch ein vollständiges HR-System. Es ersetzt nicht zwingend ein führendes Stammdatensystem, keine Zeitwirtschaft und auch keinen externen Payroll-Dienstleister. In der Praxis unterscheiden sich die Lösungen deutlich darin, welche Prozessschritte sie selbst abbilden und welche Informationen aus anderen Systemen übernommen werden.
Gerade deshalb sollten Unternehmen die Payroll nicht als isoliertes Softwaremodul betrachten. Sie ist ein zentraler Bestandteil der HR-IT-Landschaft und verbindet häufig HR, Finance, Zeitwirtschaft, Compliance und externe Partner miteinander.
| Lösung | Preis | Produkt | Preis* | Design | Komplexität | Länder |
| Employer of Record | ||||||
| Oyster | Transparent | Transparent | 350 – 650 € | Sehr gut | Niedrig | 180+ |
| Deel | Transparent | Transparent | 560 €+ | Sehr gut | Niedrig | 80+ |
| Papaya Global | Transparent | Intransparent | 600 €+ | Gut | Niedrig | 160+ |
| Lano | Transparent | Intransparent | 400 €+ | n/a | n/a | 150+ |
| Remote | Halb-Transparent | Intransparent | 250 €+ | n/a | n/a | 65+ |
| Workmotion | Intransparent | Transparent | n/a | Gut | Niedrig | n/a |
| Globalization Partners | Intransparent | Halb-Transparent | n/a | Gut | n/a | n/a |
| GoGlobal | Intransparent | Intransparent | n/a | n/a | n/a | 50+ |
| Rippling | Intransparent | Intransparent | n/a | n/a | n/a | n/a |
| Partner | ||||||
| Papaya Global | Transparent | Intransparent | 20 – 90 € | Gut | Niedrig | 160+ |
| Lano | Transparent | Intransparent | 15 € | n/a | n/a | 150+ |
| SD Worx | Intransparent | Intransparent | n/a | n/a | n/a | n/a |
| Vermittler | ||||||
| SAP Central Payroll | Intransparent | Intransparent | 6€+ | Ok | Hoch | n/a |
| Workday | Intransparent | Intransparent | n/a | n/a | n/a | |
| Datenübersicht | ||||||
| Papaya Global | Transparent | Intransparent | 230 € pro Jahr | Gut | Niedrig | 160+ |
| SAGE Global | Intransparent | Intransparent | n/a | n/a | n/a | n/a |
| HCM+Payroll | ||||||
| Personio/DATEV | Transparent | Transparent | 25 €+ | Gut | Niedrig | DE |
| Emply/Paychex | Intransparent | Halb-Transparent | n/a | Sehr gut | Niedrig | DE |
| SAGE 100/XR | Intransparent | Intransparent | n/a | n/a | n/a | n/a |
| Spezialisten | ||||||
| DATEV | Transparent | Transparent | 15 €+ | Ok | Mittel | DE |
| Hansalog | Intransparent | Intransparent | n/a | Ok | Mittel | DE |
| eGECKO | Intransparent | Intransparent | n/a | Ok | Mittel | DE |
| MA-Lizenzen | ||||||
| Personio/DATEV | Transparent | Transparent | 25 €+ | Gut | Niedrig | DE |
| SAGE Lohnabrechnung | Transparent | Transparent | 5 €+ | Sehr gut | Niedrig | DE |
| Emply/Paychex | Intransparent | Halb-Transparent | n/a | Sehr gut | Niedrig | DE |
| PC-Lizenzen | ||||||
| Lexoffice | Transparent | Transparent | 10 €+ | Ok | Mittel | DE |
| Lexware | Transparent | Transparent | 25 €+ | Ok | Mittel | DE |
| DATEV | Transparent | Transparent | 15 €+ | Ok | Mittel | DE |
Warum Payroll mehr als ein Abrechnungstool ist
Eine funktionierende Payroll beginnt nicht erst mit dem monatlichen Abrechnungslauf. Sie hängt davon ab, ob die zugrunde liegenden Daten vollständig, aktuell und eindeutig sind.
Ein Eintritt, eine Vertragsänderung, eine neue Bankverbindung, eine Sonderzahlung, ein Wechsel des Arbeitszeitmodells oder eine Abwesenheit: All diese Informationen können für die Abrechnung relevant sein. Je nachdem, wie die HR-IT-Landschaft aufgebaut ist, werden sie in unterschiedlichen Systemen erfasst und über Schnittstellen oder manuelle Übergaben an die Payroll weitergegeben.
In gut integrierten Strukturen erfolgt dieser Austausch möglichst automatisiert und nachvollziehbar. Änderungen werden dort erfasst, wo sie entstehen, geprüft und anschließend kontrolliert an die Abrechnung übergeben. In gewachsenen Systemlandschaften sieht die Realität häufig anders aus: Daten werden per E-Mail angefordert, in Excel-Listen ergänzt oder in mehreren Anwendungen parallel gepflegt. Dadurch entstehen nicht nur zusätzliche Arbeitsschritte, sondern auch Unsicherheit darüber, welche Information aktuell und verbindlich ist.
Besonders kritisch wird es, wenn keine klare Regelung besteht, welches System für welche Daten führend ist. Dann kann es passieren, dass HR, Payroll und Finance mit unterschiedlichen Datenständen arbeiten oder dass Korrekturen erst nach dem Abrechnungslauf auffallen.
Ein stabiles Payroll-Setup braucht deshalb drei Dinge: eine verlässliche Datenbasis, klare Verantwortlichkeiten und durchgängige Prozesse zwischen den beteiligten Systemen.
Typische Herausforderungen in der Payroll-Praxis
In Projekten rund um Payroll und HR-Digitalisierung zeigen sich häufig ähnliche Muster. Diese unterscheiden sich zwar je nach Unternehmensgröße, Branche und internationaler Aufstellung, folgen aber oft derselben Logik.
Manuelle Datenübergaben und Excel-Listen
Excel kann im Tagesgeschäft eine sinnvolle Unterstützung sein. Problematisch wird es, wenn zentrale Abrechnungsdaten dauerhaft über individuelle Dateien, E-Mails oder manuelle Listen verarbeitet werden. Dann entstehen Medienbrüche, Versionsprobleme und ein hoher Aufwand für Prüfung und Nachverfolgung.
Häufig wissen nur einzelne Personen, welche Datei vor dem Abrechnungslauf aktualisiert werden muss oder welche Sonderfälle in welcher Liste hinterlegt sind. Fällt dieses Wissen kurzfristig aus, gerät der gesamte Prozess unter Druck.
Unklare Rollen und Verantwortlichkeiten
Payroll betrifft verschiedene Fachbereiche. HR verwaltet häufig Personalstammdaten, Führungskräfte melden Änderungen oder variable Vergütungsbestandteile, die Zeitwirtschaft liefert Arbeitszeitdaten, Finance benötigt Buchungsinformationen und externe Dienstleister übernehmen gegebenenfalls die eigentliche Abrechnung.
Sind Verantwortlichkeiten nicht eindeutig geregelt, entstehen Rückfragen, Verzögerungen und unnötige Schleifen. Besonders wichtig ist daher eine klare Antwort auf Fragen wie:
Wer darf welche Daten ändern? Wer prüft diese Daten? Wer gibt sie für die Abrechnung frei? Wer bearbeitet Rückfragen nach dem Abrechnungslauf? Und wer verantwortet die Kommunikation mit externen Partnern?
Fehlende oder instabile Schnittstellen
Ein Payroll-System entfaltet seinen Nutzen nur dann vollständig, wenn relevante Daten zuverlässig ankommen und Ergebnisse sinnvoll weitergegeben werden können. Schnittstellen zur Zeitwirtschaft, zum HR-System, zu Finance oder zu Benefits-Lösungen sind deshalb kein technisches Detail, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor.
Fehlen diese Schnittstellen, werden Daten häufig manuell exportiert, angepasst und erneut importiert. Das kostet Zeit und erhöht das Risiko, dass Informationen verloren gehen, zu spät ankommen oder unterschiedlich interpretiert werden.
Abhängigkeit von einzelnen Payroll-Expertinnen und -Experten
Viele Unternehmen verfügen über sehr erfahrene Mitarbeitende, die komplexe Sonderfälle, Tarifregelungen oder individuelle Prozessschritte zuverlässig beherrschen. Dieses Wissen ist wertvoll – kann aber zugleich ein Risiko werden, wenn es nicht ausreichend dokumentiert oder auf mehrere Personen verteilt ist.
Gerade bei personellen Veränderungen, längeren Ausfällen oder Wachstum wird sichtbar, wie wichtig standardisierte Prozesse, Vertretungsregelungen und nachvollziehbare Systemlogiken sind. Payroll sollte nicht davon abhängen, dass eine einzelne Person „weiß, wie es geht“.
Sonderfälle und branchenspezifische Anforderungen
Je nach Branche, Tarifumfeld und Beschäftigungsstruktur kann die Payroll sehr unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen. Zuschläge, Schichtmodelle, variable Vergütung, Arbeitszeitkonten, betriebliche Altersvorsorge oder besondere Beschäftigungsformen erhöhen die Komplexität.
Ein System, das für eine einfache und standardisierte Abrechnung gut geeignet ist, muss deshalb nicht automatisch zu einem Unternehmen mit vielen Sonderfällen passen. Bei der Auswahl sollte nicht nur die allgemeine Funktionsliste im Vordergrund stehen, sondern die Frage, ob typische Praxisfälle des Unternehmens tatsächlich abgebildet werden können.
CLEVIS Expertenmeinung
In vielen Unternehmen liegt die größte Herausforderung nicht in der eigentlichen Abrechnung, sondern in den Prozessen davor.
Fehlende Daten, kurzfristige Änderungen, uneinheitliche Zuständigkeiten oder manuelle Übergaben sorgen dafür, dass Payroll-Teams jeden Monat viel Zeit mit Prüfung, Rückfragen und Korrekturen verbringen. Ein neues System kann diese Probleme nicht automatisch lösen, wenn die zugrunde liegenden Daten- und Freigabeprozesse unklar bleiben.
Aus unserer Projekterfahrung kennen wir Fälle, in denen Unternehmen eine leistungsfähige Payroll-Software eingeführt haben – und trotzdem weiterhin Excel-Listen per E-Mail verschickt wurden, weil niemand geklärt hatte, wer variable Vergütungsbestandteile wie z.B. geldwerte Vorteile oder BAVen wann und wo einpflegt. Das System war nicht das Problem, sondern das fehlende Prozessdesign drumherum.
Deshalb sollte die Auswahl eines Payroll-Systems nie nur über Funktionslisten erfolgen. Entscheidend ist, ob das künftige Setup zur organisatorischen Realität passt: Wer pflegt welche Daten? Welche Informationen kommen aus Zeitwirtschaft, HR oder Finance? Wo braucht es Freigaben? Und wie werden Sonderfälle nachvollziehbar bearbeitet?
Unternehmen, die diese Fragen vor der Softwareauswahl klären, schaffen eine deutlich stabilere Grundlage – unabhängig davon, ob sie Payroll intern betreiben, auslagern oder ein hybrides Modell wählen.
Inhouse, Outsourcing oder hybrides Modell?
Bevor Unternehmen Systeme vergleichen, sollten sie entscheiden, wie sie Payroll grundsätzlich betreiben möchten. Die zentrale Frage lautet nicht nur: „Welche Software passt zu uns?“ Sondern auch: „Welche Aufgaben wollen und können wir selbst verantworten?“
In der Praxis lassen sich drei grundlegende Modelle unterscheiden.
Payroll intern durchführen
Bei einer Inhouse-Lösung erfolgt die Abrechnung durch eigene Mitarbeitende mit einer geeigneten Payroll-Software. Dieses Modell kann sinnvoll sein, wenn ausreichend Fachwissen, stabile Prozesse und interne Kapazitäten vorhanden sind. Unternehmen behalten eine hohe Kontrolle über Abläufe, Daten und kurzfristige Anpassungen.
Gleichzeitig steigt die Verantwortung für Fachwissen, Vertretung, rechtliche Aktualität und Prozesssicherheit. Besonders bei kleinen Teams kann die Abhängigkeit von einzelnen Payroll-Fachkräften zu einem Risiko werden.
Payroll ganz oder teilweise auslagern
Beim Payroll Outsourcing übernimmt ein externer Dienstleister die Abrechnung vollständig oder in Teilen. Das kann interne Teams entlasten und den Zugang zu spezialisiertem Wissen erleichtern. Besonders attraktiv ist dieses Modell häufig für Unternehmen, die Payroll-Kompetenz nicht dauerhaft intern aufbauen oder sichern möchten.
Outsourcing löst jedoch keine Probleme, die bereits vor der Abrechnung entstehen. Auch externe Partner benötigen vollständige, korrekte und fristgerecht bereitgestellte Daten. Unklare Rollen, schlechte Stammdaten oder manuelle Übergaben bleiben bestehen, wenn sie nicht bewusst adressiert werden.
Ein funktionierendes Outsourcing-Modell setzt deshalb voraus, dass intern klar geregelt ist, wer Daten pflegt, prüft und freigibt – und wie die Zusammenarbeit mit dem Dienstleister organisiert ist.
Ein hybrides Modell nutzen
Viele Unternehmen entscheiden sich für eine Kombination aus interner Steuerung und externer Abrechnung. HR oder Payroll-Verantwortliche behalten dabei die Kontrolle über Stammdaten, vorbereitende Prozesse und fachliche Entscheidungen, während ein Dienstleister die eigentliche Abrechnung übernimmt.
Dieses Modell kann eine gute Balance zwischen Kontrolle und Entlastung schaffen. Es braucht aber besonders klare Schnittstellen, gemeinsame Verantwortlichkeiten und einen verbindlichen Prozess für Rückfragen, Korrekturen und Freigaben.
Unabhängig vom gewählten Modell gilt: Nicht die Entscheidung für intern oder extern schafft Stabilität, sondern die Qualität der zugrunde liegenden Prozesse.
| Kriterium | Inhouse | Outsourcing | Hybrid |
|---|---|---|---|
| Geeignet für | Unternehmen mit stabilem Payroll-Team und klaren Prozessen | Unternehmen ohne interne Payroll-Expertise oder mit starkem Wachstum | Unternehmen, die Kontrolle behalten, aber operative Last abgeben wollen |
| Kontrolle über Daten & Prozesse | Hoch | Gering bis mittel | Mittel bis hoch |
| Abhängigkeit von internem Know-how | Hoch | Gering | Mittel |
| Flexibilität bei Sonderfällen | Hoch | Abhängig vom Dienstleister | Mittel |
| Aufwand für Schnittstellenmanagement | Mittel | Hoch (Datenübergabe an Dienstleister) | Hoch |
| Typische Unternehmensgröße | Ab 200 MA mit dediziertem Team | Alle Größen | Ab 500 MA |
Nationale und internationale Payroll unterscheiden
Für Unternehmen mit einer rein nationalen Belegschaft steht meist die sichere, effiziente und rechtskonforme Abrechnung im Vordergrund. Entscheidend sind dabei unter anderem die passende Unterstützung gesetzlicher Anforderungen, die Abbildung von branchenspezifischen Besonderheiten sowie die Integration mit HR, Zeitwirtschaft und Finance.
Für international tätige Unternehmen erweitert sich die Fragestellung. Neben der lokalen Abrechnung in den jeweiligen Ländern gewinnen zentrale Steuerung, Transparenz und Governance an Bedeutung. Unternehmen möchten beispielsweise nachvollziehen können, welche Daten in welchen Ländern verarbeitet werden, wie die Zusammenarbeit mit lokalen Dienstleistern funktioniert und wie einheitlich Reporting oder Freigabeprozesse gestaltet werden können.
Eine globale Payroll-Strategie bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass ein einziges System alle Länder vollständig abdeckt. In vielen Fällen bleiben lokale Payroll-Lösungen oder spezialisierte Dienstleister notwendig. Der Mehrwert entsteht dann durch ein klares Zielbild: Welche Prozesse sollen zentral gesteuert werden? Welche Daten sollen konsolidiert verfügbar sein? Wo braucht es lokale Expertise? Und wie wird sichergestellt, dass Verantwortlichkeiten über Ländergrenzen hinweg eindeutig bleiben?
Employer-of-Record-Modelle können in bestimmten Situationen ebenfalls relevant sein, etwa wenn Unternehmen Mitarbeitende in einem Land beschäftigen möchten, ohne dort eine eigene Gesellschaft aufzubauen. Sie sind jedoch kein allgemeiner Ersatz für ein tragfähiges Payroll- und HR-IT-Zielbild.
Payroll-Systeme auswählen: Worauf Unternehmen achten sollten
Eine gute Payroll-Auswahl beginnt nicht mit der ersten Produktdemo. Sie beginnt mit einem klaren Verständnis der eigenen Anforderungen.
Im ersten Schritt sollten Unternehmen ihre bestehenden Prozesse, Datenflüsse und Verantwortlichkeiten betrachten. Dabei geht es nicht darum, jeden einzelnen Sonderfall sofort zu lösen. Entscheidend ist zunächst ein realistisches Bild: Wo entstehen heute manuelle Aufwände? Welche Datenquellen sind kritisch? Welche Schnittstellen fehlen? Und welche Anforderungen müssen in Zukunft abgedeckt werden?
Auf dieser Grundlage lassen sich Muss-Kriterien und Entscheidungskriterien definieren. Typische Fragen sind:
- Welche Prozesse soll das System selbst abbilden?
- Welches System führt künftig die Personalstammdaten?
- Welche Daten müssen aus Zeitwirtschaft, Benefits, Finance oder anderen Anwendungen übernommen werden?
- Welche rechtlichen, tariflichen oder branchenspezifischen Anforderungen sind relevant?
- Welche Rollen benötigen Zugriff auf welche Daten?
- Wie soll die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern funktionieren?
- Welche Auswertungen und Buchungsinformationen werden benötigt?
- Wie gut kann die Lösung mit dem Unternehmen wachsen?
- Wie transparent sind Kosten, Implementierungsaufwand und Supportmodell?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lohnt sich die strukturierte Vorauswahl geeigneter Anbieter. In Demos sollten Unternehmen nicht nur allgemeine Funktionen anschauen, sondern mit realistischen Szenarien arbeiten: Wie wird eine Vertragsänderung verarbeitet? Wie fließen Arbeitszeiten in die Abrechnung? Wie wird ein Sonderfall nachvollzogen? Wie werden Korrekturen dokumentiert? Und wie funktioniert die Übergabe an Finance?
So wird aus einer oberflächlichen Softwarepräsentation eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
CLEVIS hilft, die richtige HR-Software auszuwählen – anbieterunabhängig und ohne sich im Markt zu verlieren
Der HR-Software-Markt ist unübersichtlich: viele Anbieter, ähnliche Versprechen, unterschiedliche Architekturen. Wir zeigen, wie Unternehmen HR-Software strukturiert auswählen – passend zu Zielbild, Prozessen und Organisation.
Die Einführung entscheidet mit über den Erfolg
Auch das passende Payroll-System kann seine Wirkung nicht entfalten, wenn die Einführung zu stark auf Technik reduziert wird. Besonders kritisch sind dabei Datenqualität, Migration, Schnittstellen und die Zusammenarbeit der beteiligten Teams.
Vor der Einführung sollte geklärt werden, welche Daten übernommen werden müssen, welche Bereinigungen notwendig sind und welche Informationen künftig an welcher Stelle gepflegt werden. Schnittstellen sollten früh getestet werden, nicht erst kurz vor dem ersten produktiven Abrechnungslauf.
In vielen Projekten bewährt sich zudem eine Parallelabrechnung. Dabei werden Ergebnisse des neuen Systems über einen definierten Zeitraum mit der bisherigen Abrechnung verglichen. Unterschiede können so früh erkannt, geprüft und korrigiert werden, bevor der neue Prozess vollständig produktiv geht.
Ebenso wichtig ist die organisatorische Seite: Mitarbeitende müssen verstehen, welche Aufgaben sich verändern, welche Freigaben notwendig sind und an wen sie sich bei Fragen wenden können. Ein neues System schafft nur dann Entlastung, wenn die neuen Abläufe im Alltag tatsächlich angenommen und gelebt werden.
CLEVIS sorgt für HR-Digitalisierung ohne teure Fehlentscheidungen

Viele Unternehmen starten mit Tools, bevor Zielbild, Prozesse und Governance geklärt sind.
Auf unserer Leistungsseite zeigen wir, wie HR-Digitalisierung strukturiert, wirtschaftlich und realistisch angegangen wird – anbieterunabhängig und bedarfsorientiert, von der Einordnung bis zur Umsetzung.
Fazit: Erst Klarheit schaffen, dann Systeme vergleichen
Eine leistungsfähige HR‑Organisation entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel aus klarer HR‑Strategie, einem funktionierenden Operating Model und konsistenten HR‑Prozessen. Erst wenn Richtung, Struktur und Alltagspraxis zueinander passen, wird HR wirklich wirksam, steuerbar und strategisch handlungsfähig.
Unternehmen, die ihre HR‑Arbeit professionalisieren möchten, profitieren daher von einem strukturierten Ansatz: Ein klares Zielbild, saubere Prioritäten, nutzerfreundliche Prozesse und eine datenbasierte Steuerungslogik bilden die Grundlage für moderne HR‑Arbeit. Werden diese Bausteine konsequent verzahnt, verbessern sich sowohl Effizienz als auch Employee Experience und HR gewinnt die Rolle, die heute gebraucht wird: ein gestaltender, strategischer Partner der Unternehmensentwicklung. CLEVIS unterstützt Organisationen genau dabei – pragmatisch, strukturiert und mit Fokus auf Umsetzung, damit Veränderung im Alltag wirklich gelingt.
Häufig gestellte Fragen
Was ein Stammdatensystem? Und was ist dann ein Human Resource Information System (HRIS), ein Human Resource Management System oder ein Human Capital Management (HCM) System? Und was unterscheidet sie alle voneinander? Und was haben sie gemeinsam? In diesem Artikel möchten wir nur die erste Frage beantworten. Sowie die Antwort zu den anderen Fragen abgrenzen. Für ein umfassenderes Bild zu erwähnten Schnittstellen-Themen folgen Sie bitte den jeweilig hinterlegten Links.
In Deutschland wird Payroll als Entgeltabrechnung bezeichnet. Sie ist der Oberbegriff und fasst die Lohnabrechnung und Gehaltsabrechnung zusammen. Sie kann sowohl das eigentliche Dokument bezeichnen, das Mitarbeiter:innen als Gehaltsnachweis erhalten, wie auch den gesamten Prozess, der hinter der Ausstellung des Dokumentes liegt. Inzwischen ist im deutschsprachigen Raum das Wort Payroll als englisches Synonym in bedeutungsgleicher Verwendung stark verbreitet.
Die Durchführung der Payroll (Lohnbuchhaltung) ist entscheidend um Gehälter auszuzahlen, Steuern und Sozialabgaben an die Gesellschaft abzuführen und eine rechtssichere Dokumentation von beiden Bestandteilen zu gewährleisten. In Deutschland gilt daher für alle Unternehmen eine Finanzbuchführungspflicht.
Der Entgeltabrechnungs-Prozess lässt sich in drei Schritte unterteilen. Im Ersten, der Daten-Vorbereitung, werden alle relevanten Daten und Unterlagen der Mitarbeiter:innen vorbereitet. Im zweiten Schritt werden daraus die Vergütung sowie Steuer- und Sozial-Abgaben berechnet. Im Letzten folgen vielfältige Aufgaben wie das Versenden von Meldungen an die Sozialversicherungsträger (SV-Träger), der Monatsabschluss, die Geldüberweisungen, Buchungen an die Finanzbuchhaltung (Unterschied Lohnbuchhaltung und Finanzbuchhaltung) und Übermittlung der Gehaltsabrechnung an die Mitarbeiter:innen.
An diesem Prozess sind viele Stakeholder beteiligt, was zu der Komplexität beiträgt. Neben Mitarbeitenden, der Personalabteilung und Lohnbuchhalter:innen im Unternehmen, kann auch die externe Lohnbuchhaltung und Steuerberater:innen (bzw. Steuerbüros) involviert sein. Von diesen Stakeholdern wird ein oder mehrere Systeme verwendet, um die Daten der Mitarbeitenden zu erfassen, zu verwalten, vorzubereiten und in der Payroll zu verarbeiten. Die Ergebnisse gehen neben den Mitarbeitenden unter anderem an das Finanzamt sowie an die SV-Träger.
Wie beschrieben ist die Payroll-Erstellung ein vielschichtiger Prozess mit vielen Beteiligten. Im internationalen Vergleich sind Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien unter den Ländern mit den höchsten oder komplexesten Anforderungen an die Payroll-Erstellung. Permanente Änderungen im Lohnsteuer- und Sozialversicherungsrecht erschweren zusätzlich standardisierte Prozesse. Weil jedes Land über die Welt verteilt sehr eigene und individuelle, rechtliche Steuer-, Lohn- und Sozialsystem-Strukturen hat, ist die Payroll im globalisierten Kontext eine sogar noch größere Herausforderung. Trotzdem gibt es inzwischen nationale und auch globale, agile Lösungen. Ziel eines Payroll-Systems ist, so viel wie möglich des Payroll-Prozesses zu automatisieren. Große Kosten- und Zeitersparnisse, Qualitätssicherung und Fehlerminimierung sind Hauptgründe für die Einführung und Verwendung eines Payroll-Systemes.
Da der Payroll-Prozess aus vielen Bestandteilen besteht, ist was ein Payroll-System definiert uneindeutig. Einige Eckpunkte lassen sich dennoch darüber festmachen, was ein Payroll-System trotz allem nicht ist: Payroll-Systeme sind nicht zu verwechseln mit HCM-Systemen, HRM-Systemen, HRI-Systemen, PI-Systemen (PIS oder Personalinformations-System), Stammdaten-Systemen, dem Lohnbüro oder dem Steuerberater.







